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Das 2018 von Bassem Hawar gegründete Nouruz-Ensemble besteht aus fünf Virtuosen, die in ihren Heimatstädten Bagdad, Aleppo und Teheran die alten orientalischen Instrumente Djoze, Santur, Nay, Duduk, Qanun und verschiedenen Trommeln studiert haben und heute in Deutschland leben und musizieren. Sie spielen auf ihren uralten Instrumenten nicht ausschließlich orientalische Musik, sondern haben in Deutschland viel ausprobiert und mit Gruppen unterschiedlichster Musikrichtungen zusammengespielt. 

Mit der Gründung des Nouruz-Ensembles möchten die Musiker eine zeitgenössische orientalische Kunstmusik jenseits des seit Jahrhunderten nahezu unveränderten Maqam und der ägyptisch geprägten Popmusik schaffen. Sie teilen die Auffassung, dass dies nur im europäischen Exil und nur im Kontakt zu anderen Musikkulturen möglich sei. Nur hier können die alten Instrumente vor dem Aussterben gerettet werden, können zeitgenössische Kompositionen entstehen, die an die klassische arabische Tradition anknüpfen, aber einen veränderten Blick auf die eigene Kultur spiegeln und Einflüsse aus anderen Musikkulturen nicht fürchten sondern begrüßen. 

Nouruz - das ursprünglich kurdische aber im gesamten arabischen Raum gebräuchliche Wort für Frühling, steht als Name des Ensembles für erste zarte Triebe einer solchen neuen orientalischen Musik. 

Das Nouruz-Ensemble ist im Kern ein Instrumentalensemble, das projektweise mit verschiedenen Sängerinnen und Sängern aus dem arabischen und europäischen Kulturkreis zusammenarbeitet (je Projekt/ Programm 1 Gast). In den Konzertprogrammen werden orientalische Neukompositionen mit Musik westlicher Stilrichtungen unter einem gemeinsamen thematischen Aspekt miteinander kombiniert. Programme mit einem/er SängerIn als Gast bestehen je zur Hälfte aus reinen Instrumentalwerken und Stücken mit Gesang.

PRIMA MATERIA – الرَحِم الأوّل – AL‑RAHEM AL‑AUOAL

Hildegard von Bingen (1098-1179) ist eine der bedeutendsten Frauen des deutschen Mittelalters und heute weit über die Grenzen ihrer rheinischen Heimat hinaus bekannt. Es gelang ihr, ihre Zeitgenossen gleichermaßen in ihren Bann zu ziehen, wie die Menschen, die heute nach Sinn, Orientierung, Ganzheit und Heil suchen. In mehreren Liedern und Texten benutzt sie den Ausdruck „Prima Materia“. In dem lateinischen Wort „materia“  versteckt sich das Wort mater = Mutter. Übersetzt wird „Prima Materia“ mit Ur-Schoß, aus dem Gott die Schöpfung vollbringt. Darum stand Maria im Mittelpunkt ihrer Verehrung, denn Maria war in Hildegards Denken die verkörperlichte „Prima Materia“.

Maria spielt im Q’ran eine herausragende Rolle: sie ist die einzige Frau, die im Q’ran mit Namen genannt wird. Nach Mose, Abraham und Noah ist Maria die am häufigsten erwähnte Person, d.h. sie wird häufiger genannt als Muhammed und Jesus. Und die koranischen Schilderungen ihrer Figur sind durchgehend voller Anerkennung und Bewunderung. So trägt eine ganze Sure ihren Namen Maryam, die Sure 19. In dieser Sure wird immer wieder die Barmherzigkeit selbst zum Gottesnamen und erinnert damit daran, dass es eine Vereinfachnung wäre, Gott nur mit männlichen Attributen zu assoziieren. Besonders über Maria öffnet sich in diesen Versen ein Raum, Gott aus einer weiblichen Persepektive annähern zu können. Denn die arabischen Wurzeln des Wortes Barmherzigkeit: al rahmamالرَّحمن sind die gleichen Wurzeln des Wortes für Schoß: al rahem الرَحم .

 

Bei diesem Projekt geht es um Begegnungen: von Menschen aus verschiedenen Kulturen, Religionen und unterschiedlichen Geschlechts, von Musik aus verschiedenen Welten, Begegnungen von Altem und Aktuellem. Mit unserem Projekt möchten wir der Angst vor dem Fremden die Neugier auf die Begegnung entgegensetzen. Wir möchten ein Zeichen von Verständnis, Toleranz und tief verbundenem Miteinander schaffen und dafür werben, das Eigene, Bekannte zu hinterfragen, und einander und auch »dem Fremden« beherzt und mit Offenheit immer wieder neu zu begegnen und damit Geschichten und Geschichte neu und anders zu schreiben.

Die erste Phase ist nun schon abgeschlossen. Nach intensiven Proben fanden Ende Mai in Köln CD- Video-Aufnahmen statt. Im Oktober geht es nun weiter mit der CD-Veröffentlichung und einem Konzert am 13.10., 20:00 Uhr in St. Nikolaus, Köln-Sülz.

Besetzungen

SANSTIERCE
Künstlerische Leitung und Konzeption:
Maria Jonas (Köln) – Gesang
Bassem Hawar (Köln, Bagdad) – Djoze

NOURUZ
Bassem Hawar – Djoze, Leitung
Kioomars Musayyebi – Santur
Saif Al-Khayyat – Oud
Rageed Williams – Ney
Reza Samani – Tombak, Daf, Zarbang Udu, Rahmentrommel
Jan Nissa – Gesang

ARS CHORALIS COELN
Maria Jonas – Gesang, Leitung
Stefanie Brijoux – Gesang
Badine Balbesi – Gesang
Pamela Petsch – Gesang
Sylvia Dörnemann – Gesang
Susanne Anorg – Fidel, Tampura

Dichter
Khaled Shomali (Palästina/Brühl)

Kostüme
Suzanne Harkämper

Nouruz Ensemble - Neue CD

Im Juli 2018 erscheint unsere erste CD: Goldener Flügel

Nouruz Ensemble zusammen mit Maria Jonas, Rita William, Ibrahim Keivo und Dominik Schneider

Musikkulturen NRW

Das Nouruz Ensemble wurde für die Saison 2019/20 in das Förderprogramm Musikkulturen des Landes NRW aufgenommen!

Das gemeinsam mit dem Kultursekretariat NRW Gütersloh betriebene Auftrittsnetzwerk »Musikkulturen« leistet seit 2012 einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Weltmusik in NRW.

Weltmusikveranstalter können ihr wirtschaftliches Risiko minimieren und ihre Spielpläne um weniger bekannte Gruppen und Musikstile bereichern. Damit fördert das Projekt auch bemerkenswerte Ensembles, die auf diese Weise verstärkt durch NRW touren, dabei ihr Publikum finden und neue Kontakte entwickeln können.