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Der Geist unserer alten Instrumente verleiht uns heute eine Stimme, mit der wir an einer besseren Zukunft bauen.

 

Bassem Hawar – Djoze/Kniegeige

Kioomars Musayyebi – Santur

Rageed William – Nai

Hesen Kanjo – Qanun

Reza Samani – Perkussion

 

Das Nouruz-Ensemble besteht aus fünf Virtuosen alter orientalischer Instrumente aus dem Nahen und Mittleren Osten. Alle fünf Musiker studierten an den Musikhochschulen ihrer Heimatstädte, in Bagdad, Aleppo und Teheran. Heute leben sie in Deutschland und arbeiten als freiberufliche Musiker.

Sie spielen nicht ausschließlich orientalische Musik, sondern haben in Deutschland viel ausprobiert und mit Gruppen unterschiedlichster Musikrichtungen zusammengespielt.

Sie alle komponieren auch eigene Werke, in denen die Erfahrung des kulturellen Kontakts zum Ausdruck kommt.

Für die Gründung des Nouruz-Ensemble hat Bassem Hawar lange nach Musikern gesucht, die seine Einstellung zur orientalischen Musik teilen.

Der zur Zeit der Abbassiden enstandene Maqam gilt für viele irakische Musiker als das kulturelle Erbe des Irak schlechthin. Tatsächlich versammelten sich am Hofe des Kalifen Harun ar-Rashid (um 800) jedoch Künstler und Gelehrte aus dem gesamten mittleren Osten zur gemeinsamen Arbeit, lernten voneinander und inspirierten sich gegenseitig. Die Blütezeit Bagdads zur Zeit der Abbassiden war ein Ergebnis von kulturellem Austausch. Der irakische Maqam ist also keineswegs rein irakisch.

Diese eigentlich banale Feststellung birgt jedoch eine gewisse Brisanz in der aktuellen politischen Situation in der arabischen Welt, in der sich jeder auf seine vermeintlichen kulturellen und religiösen Wurzeln zurückbesinnt und von dem Anderen abgrenzt.

 

Anders als in der westlichen geprägten Musik mit den weitgehend voneinander getrennten Entwicklungen der „ernsten“ und der „Unterhaltungsmusik“ hat sich die klassische arabische Musik seit Jahrhunderten kaum mehr weiterentwickelt. Stattdessen ist die alte, „ernste“ Musik im mittleren Osten fast gänzlich durch die Popmusik (Ägypten) verdrängt worden.

 

Die besten Virtuosen, die heute die uralten Instrumente noch beherrschen und spielen, leben heute fast alle im Exil. Die Musiker des Nouruz-Ensemble mussten ihre Länder verlassen. Sie empfinden das Exil aber längst nicht mehr nur als Last sondern als Chance. Sie haben im Instrumentenbau experimentiert und die ursprünglichen Möglichkeiten ihrer Instrumente erweitert. Ihre Kompositionen spiegeln einen neuen Blick auf die eigene Kultur ebenso wie Eindrücke und Erfahrungen aus der neuen europäischen Heimat.

Ihre Lebenssituation ist sicher nicht vergleichbar mit jener der Künstler am Hof des Kalifen von Bagdad aber wieder ist es der kulturelle Kontakt, der die Kreativität anregt, wieder ermöglicht die Vermischung verschiedener Einflüsse die Entstehung von Neuem.

 

Nouruz ist ein mehr als 3000 Jahre altes kurdisches Wort für Frühling, welches in den Ländern des mittleren Ostens (Irak, Iran, Türkei, Syrien) gebräuchlich ist. Solche gemeinsamen Vokabeln sind ein wichtiger Hinweis auf die zahlreichen Verbindungen in der Kultur dieser Länder, die ansonsten nie ein Gebiet sprachlicher Einheit waren.

 

Mit der Gründung des Nouruz-Ensemble hegt Bassem Hawar die Hoffnung auf einen Neuanfang, ein Wiedererwachen der orientalischen Musik. Ein solcher Frühling kann nicht in der arabischen Welt, sondern derzeit nur in Europa stattfinden. Hier können die alten Instrumente vor dem Aussterben gerettet werden, kann eine zeitgenössische Musik entstehen, die an die klassische arabische Tradition anknüpft, aber den Kontakt zu anderen Musikkulturen nicht fürchtet sondern begrüßt

Das Nouruz Ensemble möchte mit ersten zarten Blüten eine neue orientalische Musik erschaffen.

 

 

 

 

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